Von Pfirsichkindern und Zeitdieben

Das noch sehr junge Berliner Designerlabel wurde 2017 gegründet. „MOMOKO“ ist japanisch. Es heißt Pfirsichkind oder kleine Pfirsichblüte. Momo“ (桃) steht für den Pfirsich; die Silbe „ko“ (子) für das Kind. „Momo“ ist auch der Name des fantastischen Romans von Michael Ende. Als Kind Momos möchte MOMOKO den grauen Herren, den Zeitdieben unserer Tage, etwas entgegensetzen. MOMOKO entschleunigt, ohne die Zeichen unserer Zeit aus den Augen zu verlieren. Der Brückenschlag gelingt zum einen mit der Wahl der Materialien – aus ausgewählten Hölzern, innovativem Kunstharz und hochwertigem Silber – und zum anderen durch eine moderne Formensprache.

MOMOKO will bezaubern und glücklich machen. Lassen Sie sich faszinieren.

Marielle, du hast 2017 das Designlabel MOMOKO gegründet. Wie kamst du auf die Idee? 

Ich habe Kunst studiert und mein Schwerpunkt lag auf dem Bild: Zeichnungen, Fotografien – alles für die Wand. Irgendwann reizte mich die 3. Dimension. Ich wollte was zum Anfassen, etwas was uns im Alltag begleitet. Meine Zeichnungen waren in meinem inneren Auge auf Geschirr, Kleidung und Schmuck. Ich erlernte verschiedene Techniken. Meine erste Serie entstand mit Zeichnungen auf Kettenanhängern, Ohrringen und Armreifen. Und dann hatte ich Blut geleckt. Mir ging es nicht mehr darum, ein Medium für meine Zeichnungen zu finden. Ich wollte Schmuck herstellen und einzigartige Gebrauchsgegenstände kreieren. 

 

Der Name „Momoko“ ist japanisch. Welche Beziehung hast du zu Japan?

Mich faszinierte bereits als Kind die japanische Kunst. Ich habe mir staunend Holzschnitte von Hiroshige oder Hokusai angesehen und mich selbst in Origami oder Tuschemalerei geübt. Als ich 16 war, konnte ich meinen Kunstlehrer so begeistern, dass er mir einen Tausch anbot: Ein Aquarell von ihm gegen ein Tuschebild von mir. Das war eine große Ehre. Denn Herr Kircheis war in unserer Gegend bereits zu Lebzeiten eine Künstler-Legende!

 

 

Das meiste Holz, das ihr für euren Schmuck verwendet, wird aus alten Möbeln recycelt. Woher bekommst du diese Möbel?

Ich wohne und arbeite in Köpenick. Hier stellen die Leute Möbel, die sie nicht mehr brauchen, einfach an den Straßenrand. Das sind oft schöne, alte Echtholzmöbel. Viel zu schade, um im Regen zu stehen! Gerade kleine Kommoden lassen sich gut aufbereiten. Manchmal gehe ich auch zu einer Haushaltsauflösung, frage bei Tischlereien nach oder nutze diverse Online-Plattformen.

 

 Kannst du uns ein wenig an deinem Design- und Produktionsprozess teilhaben lassen?

In meinem Kopf habe ich tausende Ideen. Ich nehme eine heraus und visualisiere mir das Schmuckstück oder den Gegenstand und zeichne das innere Bild auf.

Ich schaue mir die Zeichnung an und frage mich: Was brauche ich dafür? Welche Materialien, Werkzeuge, Fertigkeiten? Es kam oft vor, dass ich sogar eine neue Technik erlernte, nur um dieses eine Stück umsetzen zu können.

Die Schmuckstücke und Wohnaccessoires entstehen alle in meiner Berliner Werkstatt. Manche Dinge, wie Fassungen oder die feinen filigranen Ketten, kaufe ich ein.

 

Dein Label ist fast 4 Jahre alt, was hast du in dieser Zeit gelernt?

Ich komme aus einem zweidimensionalen Raum und schaffe plötzlich dreidimensionale Dinge! Da gab es sehr viel zu lernen und ich lerne noch. Das Arbeiten mit den Händen und mit alten Goldschmiedewerkzeugen hat etwas ungemein Entschleunigendes. Und doch ist meine Werkstatt recht modern eingerichtet: Lasercutter, Punktschweißgerät und Poliermaschine, mit ihnen zu arbeiten, war auch ein Lernprozess.

Wie hast du deine Zeit während der beiden Corona-Lockdowns verbracht?

Ich habe viele Produktideen und einige davon ausprobiert. Mein Ziel ist es, das Sortiment zu erweitern. Gerade arbeite ich an einer Serie mit farbigen Beton-Untersetzern und habe auch schon einige Stifte- und Teelichthalter entworfen. Außerdem habe ich bei Etsy einen kleinen Online-Shop eingerichtet.

 

Was erwartest du und was wünschst du dir für die Mode in 20 Jahren?

Ich bin auf eine nachhaltige Entwicklung und neue, innovative Werkstoffe gespannt. Mit ökologischen Epoxidharzen ist es bereits heute schon gelungen, umweltfreundlich zu arbeiten. Welche neuen Materialien schonen künftig Ressourcen und sind ohne Rückstände abbaubar? Das interessiert mich sehr. Meiner Persönlichkeit entspricht es, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Daher bin ich auf die Entwicklung im 3D-Druck gespannt.

 

Wenn du eine Kleinigkeit auf der Welt ändern könntest, was wäre das?

Ich würde allen Menschen ein zufriedenes und glückliches inneres Kinder schenken. Wer sich selbst annimmt und liebt, wird auch mit anderen Menschen und der Umwelt achtsam umgehen.

 

 

Alte Möbel liefern uns das Holz für unsere Schmuckstücke.

Beim Eingießen von Furnierhölzchen für die Schmuckserie „MIRIQUIDI“. 

Während der Arbeit mit unserem Kunstharz ist es sinnvoll sowohl Atemschutzmaske, als auch Schutzbrille und Handschuhe zu tragen. 

Schleifen und Polieren sind wichtige Arbeitsschritte bei der Schmuckherstellung.

Dabei nutzen wir verschiedene Schleif- und Poliergeräte.

Bei der Serie „PULCHRA SILVA“ ist der letzte Arbeitsschritt das Kombinieren von Holz- und Messingform.